Mein bisheriger (Lebens-)Weg zur Selbständigkeit - mit Steinen und Felsen

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Du hast auf den anderen Seiten und der Kurzvita von mir sicher schon gesehen, was ich aktuell so mache, was meine berufliche Leidenschaft ist und wie ich da Stück für Stück hingekommen bin. Ein paar Dinge habe ich ja auch in meinem Podcast-Interview erzählt. 

Mich erreichen aber in letzter Zeit immer mal wieder weitere Fragen zu Details und dabei fällt mir auf, dass ich manche Dinge fast schon vergessen oder verdrängt habe ;)

Wenn du dich also mehr für meinen bisherigen Lebensweg interessierst, lies diesen Artikel sehr gern weiter. Ich schreibe mir dabei fast alles von der Seele und meinen Erinnerungen, was relevant sein kann. 

Alle anderen möchte ich nicht langweilen, also springt lieber in meinen Blog... ;)

Geburt bis Abitur

Fangen wir (nicht ganz bei Beginn an): Als 1982er Jahrgang habe ich - zumindest am Rande - noch das geteilte Berlin mitbekommen. Als Berlin-Spandauer (der ich auch heute wieder bin) und somit der westlichsten Stadtgrenze kann ich mich noch gut an einzelne Szenen vor und während der Maueröffnung erinnern. Ich wurde gut behütet von liebevollen Eltern aus der bürgerlichen Mittelschicht aufgezogen.

Auch Bruchstücke aus dem, was mir meine Eltern oder mein 7 Jahre älterer Bruder über di Zeit der Städteteilung erzählen, blitzen immer mal wieder auf. 

An für sich war aber die Grundschule und meine Oberschule wenig der Rede wert. Ich habe während des Abiturs (Note 3,3 war auch nicht so berauschend) gedacht, ich möchte etwas mit Computern und diesen neumodischen Dingern wie den Handys machen (wohl gemerkt: im Jahr 2001 war WAP das mobile Internet). 

Mein Bruder hat mich oft in meinem Leben geprägt, viel auch im beruflichen Sinne. So haben wir uns noch vor dem Internet wie wir es heute kennen, mit 14.400er Modems (später dann Kanalbündelung - richtig schnell) in Mailboxen eingewählt. Neulich fiel mir der Name einer Mailbox wieder ein: Hellraiser. 

Damals hat man das teilweise noch heimlich getan, so dass man bspw. ein Kissen vor den Umschalter (der immer so laut auf dem Flur klackte) gestellt hat, wenn man sich bspw. spät abends oder nachts eingewählt hat. Musste ja nicht jeder im Haus mitkriegen ;) 

Leider verlor mein Vater seinen Arbeitsplatz während meiner Oberstufe. Vor allem für meine Eltern, die ihr Haus finanzierten, eine harte Belastung, die uns noch viele Jahre begleiten sollte. 

Für mich aber auch der Anstoß um im Alter von 16 Jahren einen Nebenjob und immer wieder nach Möglichkeiten zu suchen auch über das Internet Geld zu verdienen. 
A propos Internet: Als das Web 1.0 aufkam, habe ich mit 2 Freunden (mit denen ich auch heute noch bestens befreundet bin) eine Misch-Webseite gebastelt (ich glaube mit Dreamweaver), in der es um Aquarien, Star Trek und Akte X ging. Eine illustre Mischung, oder? 

Meinen ersten Nebenjob begann ich also bei Kaufland, einem großen Supermarkt. Es ging um Regale einräumen. Immer nach Ladenschluss. Das bedeutete in diesen 3 Jahren vor allem zur Weihnachtszeit teilweise erst Schule, abends von 20 bis nachts um 3 Uhr Regale einräumen. Und sich dabei mit viel Druck triezen lassen... 

Es war anstrengend, aber es wurde gut bezahlt und ich habe eine Menge fürs Leben gelernt. Zum Beispiel wie sich manche Angestellte im Einzelhandel im wahrsten Sinne des Wortes bis zur "Kotzgrenze" abrackern und bspw. 3 Std. im Lager schlafen weil sie sich den Arbeitsweg sparen möchten. 

Mit meinem Abitur (das nicht gerade überragend aber okay war; Leistungskurse waren Chemie und Politische Weltkunde) endete dann meine schulische Laufbahn. Ich war darüber sehr erleichtert, denn ich fand schon damals dass vieles Gelernte nichts für den späteren Alltag taugt. Andere, die meinten sie würden "in ein Loch fallen", konnte ich absolut nicht verstehen. 

Musterung, Zivildienst, Einstieg ins Online Marketing und Studium

2001 gab es noch die Wehrpflicht. Also musste ich zur Musterung auf der anderen Seite der Stadt. Ich wurde als T2 eingestuft. Meine Wehrdienstverweigerung stand aber schon fest, dieser wurde auch stattgegeben.

So suchte ich zeitig nach einem passenden Zivi-Job - und wie oben angekündigt war das vor allem im beruflichen Sinne irgendwas mit Computern.

Und ich hatte echt Glück, denn ich wurde in der EDV-Abteilung im Krankenhaus Spandau als Zivi engagiert. Auch dort lernte ich eine Menge, nicht nur menschlich und vom Arbeitsklima her, sondern auch fachlich.

Es war ein sehr angenehmer Job, der mir wirklich (fast immer) Spaß machte. Unangenehm wurde das Projekt "Pathologie ans EDV-Netz anbinden". Ich erinnere mich noch gut an den Satz des Pathologen, als ich in den Keller ging und er sich gerade Blut von den Armen abwusch: "der Netzwerkverteiler steht gleich hier hinten über dem Sarg". 

Da wurde mir schon kurz etwas mulmig vom Geruch, dem Anblick und den Vorstellungen. 

Spannender war da das Projekt spezielle PCs in den OP-Sälen aufzubauen. Eigentlich sollte ich mit meinem Kollegen reingehen wenn gerade keine OP stattfand. 
Doch bei einem Raum klappte das dank eines Notfalls nicht - aber auch hier blieb ich standhaft und war natürlich im kompletten OP-Dress...

Noch zu Beginn des Zivildienstes suchte ich nach Studium-Möglichkeiten im Bereich Informatik. Ich wollte aber keine reine Informatik studieren und gern auch was mit BWL. 

Da kam ich über einen Studienführer auf den Studiengang "Wirtschaftsinformatik", also eine Kombination aus BWL und Informatik. Das fand ich spannend! Damals war ich noch immer in dem Glauben, dass mir der Informatik-Teil mehr Spaß machen wird...

Jedenfalls gab es zu diesem Zeitpunkt diesen Studiengang nur drei mal in Berlin und Umgebung: 

  • FHTW in Köpenick (fand ich vom optischen Eindruck sehr altbacken)
  • Fachhochschule Brandenburg (war mit gefühlt zu weit weg) 
  • TFH Wildau  

Die TFH (heute TH) Wildau sagte mir damals überhaupt nichts. Sie liegt kurz vor Königs Wusterhausen, also im weiteren Speckgürtel Berlins (süd-östlich von Berlin) und wurde als "Geheimtipp" unter den Hochschulen bewertet.

Also schaute ich mir das mal von außen an und war angetan. Modern, Neubauten - also habe ich mich beworben und wurde ein paar Wochen später im Nachrückverfahren (du weißt: meine Abinote war nicht die Beste) zugelassen.

Da ich aber den Zivildienst leistete, habe ich angerufen und gefragt was wir machen können. Mir wurde angeboten, den Studienplatz für das darauffolgende Jahr zu reservieren und ich nahm das dankend an. Zum Glück! Denn der Geheimtipp blieb das nicht lange, die Bewerberzahl steigt von Jahr zu Jahr stark.

Nach dem Zivildienst, im September 2002 ging es für mich also los mit dem Studium. Sichtlich aufgeregt, aber total motiviert weil die meisten Themen, die ich dort gelernt habe, mich sehr interessiert haben.

Und dann fällt das Lernen sehr viel leichter... 

Ich hatte eine Professorin, die schon damals den Schwerpunktbereich "eCommerce" auf ihrem Lehrplan hatte. Ein Glücksfall schon damals. Leider ist das selbst heute noch keine Selbstverständlichkeit. 

Zu Frau Prof. Dr. Tippe habe ich noch bis heute Kontakt und war erst kürzlich wieder dort und habe in einem meiner früheren Seminarräume den jetzt Studierenden erzählt, was ich eigentlich so den ganzen Tag lang mache. Ein aufregendes Gefühl ;) 

Spannend war die Studienzeit auch, weil in diesen 4 Jahren das Internet schnell voranschritt, die Hochschule sich stark entwickelte (wir waren teilweise noch in 2km entfernten Baracken, die heute abgerissen sind). Gleichzeitig ist der komplette Campus extrem gewachsen und nach wie vor von der Ausstattung und den Professoren her modern. Nur wenige Ausnahmen bestätigen die Regel. 

Wenn ich mir manchmal vorstelle, ich hätte mit meinem Kumpel Marcel dort schon ein größeres Webprojekt gestartet (von ebay, Amazon und Co hat man zu dem Zeitpunkt kaum gesprochen; geschweige denn von Idealo, Zalando usw.), man hätte die Chancen nutzen können. Dafür kamen aber andere Chancen und im Nachhinein ist man ja immer schlauer.

Fast rausgeflogen bin ich übrigens wegen der Programmiersprache C++. Einige von uns haben sich die Vorlesungen und so manche Übungseinheiten gespart, das war ein Fehler. Erst im dritten (und letzten Versuch) kam ich nach Büffeln und einem VHS-Kurs durch die entsprechende Klausur. Sonst wäre das komplette Studium für mich beendet gewesen...

So habe ich es 2006 erfolgreich mit einer sehr guten Note abgeschlossen. 

Dank meines Bruders (mal wieder!) kam ich auf der Suche nach einem anderen Nebenjob (ich wollte nicht unbedingt weiter abends Konservendosen einräumen) auf die ZANOX AG. Damals noch 9 Leute, heute ein zu Axel Springer gehörender Konzern namens awin.com

Durch diesen Nebenjob kam ich das erste Mal so richtig in Berührung mit dem faszinierenden Online Marketing. Bei ZANOX hauptsächlich das Affiliate Marketing. Also Partnerprogramme. 

Das war eine spannende und äußerst angenehme sowie lehrreiche - aber auch anstrengende (Studium, Nebenjobs) - Zeit. Eine sehr familiäre Atmosphäre in einem Unternehmen, das von einem 9-Kopf-Startup in 2002 bis zu meinem Ausstieg 2006 zu mehr als 100 Leute anwuchs. 
Im Anschluss wurde ZANOX ja auch von Axel Springer übernommen, für damals ca. 215 Mio. EUR. Ich gönne es jedem Einzelnen aus der damaligen Kernmannschaft!

Neben dem Studium und ZANOX habe ich mit meinem Vater viel aufgebaut bzw. versucht etwas aufzubauen.  

Zunächst habe ich mit Tätigkeiten losgelegt wie kaputte Handys angekauft, repariert und funktionsfähig über eBay weiterverkauft. Mein Topseller war das Nokia 3210 mit Displayschaden, Wasserschaden, defektem Vibrationsmotor usw. 

Diverse Nebenjobs wie das Austragen von Blumen über Fleurop, das Anschließen und Konfigurieren von DSL-Anschlüssen aber auch ein paar Schnapsideen wie das "Entspiegeln von Röhrenfernsehern" waren natürlich mit dabei. 

Alles mit dem Ziel Geld zu verdienen, gingen manche Dinge auch nach hinten los. Und manchmal fragt man sich, wie man so naiv sein konnte... Aber ich war jung und wir brauchten das Geld ;)  

Was dann wirklich seriös und langfristig (bis heute) aufgezogen wurde, war ein Online-Shop für PC-Hardware und Telekommunikation. Wir haben regelmäßig an Wochenend-Messen (in Berlin gab es die ComBär und die BerlinerComputerTage) teilgenommen. Später wurde daraus der heute noch existierende Shop www.Telefone-fuer-Senioren.de

Zu den Messen: In den ersten 2 Jahren lief das umsatztechnisch wirklich gut. Danach wurde es ein anstrengendes Rumstehen an Wochenenden, wo andere in meinem Altern feiern gingen - mit überschaubarem Ergebnis (den Trend des Online Shoppings merkte man stark). Richtig mies wurde es, als wir mit wenig Geld und dem Investieren in Hardware (um ja auch was verkaufen zu können) dann auch noch beklaut wurden. Das teuerste waren ein DVD-Brenner von unter unserem Tisch und ein Handy direkt aus der Vitrine heraus (um die Ecke gegriffen als man uns abgelenkt hat).

In dieser Zeit gab es vor allem 2 sehr lehrreiche und existenzbedrohliche Erlebnisse
Ehrlich gesagt hatte ich in meiner jugendlichen Unterfahrenheit fast die Existenz meiner Familie aufs Spiel gesetzt. Natürlich nicht bewusst und ich könnte mich bis heute noch dafür ohrfeigen...

Der erste Fall war ein Großhändler, der uns schon damals das Prinzip des Dropshippings anbot. Also wir haben online etwas verkauft, er hat es in unserem Auftrag verschickt. Sogar mit Nachnahme.
Das klappte auch so lange gut, bis die Aufträge zu viel wurde und der Großhändler anscheinend eine katastrophale Verwaltung hatte. Es begann mit Nachforderungen, Rechnungen und anderen abstrusem Kontakt, der nicht nur einen Ordner füllte sondern dann auch das Amtsgericht für einen Mahnbescheid und das Gericht beschäftigte. Letzteres hat letztendlich die von ihm beantragte Prozesskostenhilfe abgelehnt, weil seine Klage keine ausreichende Aussicht auf Erfolg hatte. Das schien bei ihm Prinzip zu sein, denn wir haben eine Menge anderer geprellter Kunden kennengelernt. Aber das hilft einem nicht, wenn sich so eine Belastung über 3 Jahre hinzieht. 

Das noch schlimmere Erlebnis war die Entscheidung über die Bank AirPlus (damals in direkter Kooperation mit unserem Mietshop) die Kreditkartenzahlung anzubieten. Für 4% Gebühren erhalten wir eine garantierte Zahlungssicherheit - so stand es in der Bewerbung dieses Dienstes und im Vertrag. Und es wurde uns auf Nachfragen hin bestätigt.

Also begannen wir dies im Shop einzubinden und es lief gut. Es wurden (neben Finanzierungsanfragen über den sehr guten Anbieter CreditPlus) sehr viele Kreditkartenbestellungen getätigt. Viele über Indonesien. Wenn ich heute darüber nachdenke, muss man natürlich stutzig werden. Aber das war 2001 - 2003... 

Ich habe sogar noch bei der Bank nachgefragt ("Wenn wir die Info von Ihnen kriegen, dass das Geld überwiesen wird und die Kreditkarte geprüft ist, dann können wir die Ware verschicken. Richtig?"). 
Das wurde bejaht, also lieferten wir per UPS und DHL die Ware wie bei einer normalen Bestellung aus. 

Wir freuten uns über den Umsatz, bis eines Tages Faxe bei meinem Vater ankamen mit der Rückbuchung und der Rücklastschrift, weil der Karteninhaber dieser Transaktion widersprochen hat. 

Zunächst schockiert ließen wir es ein paar Wochen über uns ergehen, zahlten zurück. Doch es wurden dann immer mehr. Letztendlich haben wir widersprochen und nicht bezahlt (wir hatten das Geld ja auch nicht mehr), bis es über einen Betrag von 30.000 EUR ging. 

Dies wurde gerichtlich eingefordert und wir nahmen uns einen guten Anwalt (Dr. Strewe).
Alle vorgerichtlichen Nachweise über den Vertrag, unsere Korrespondenz, die Sendungsnachweise und die Aussagen die wir bekamen, halfen nichts. 

Es kam zum Gerichtstermin und ich habe meinen Vater noch nie so aufgelöst gesehen wie an diesem Tag. Das hat sich eingebrannt und werde ich bis heute nicht vergessen.

Hätte der Richter geurteilt, dass wir zahlen müssen, hätte das zum damaligen Zeitpunkt die Insolvenz, Zwangsversteigerung des Hauses u.a. bedeutet. 

Aber glücklicherweise sah der Richter es so wie wir und unser Anwalt es darstellten (und schriftlich vereinbart war). AirPlus hat eine Garantie übernommen, dafür auch satte 4% Gebühren verlangt und muss das Risiko streuen. Das Risiko kann nicht einseitig auf den Nutzer dieses Dienstes abgewälzt werden, denn dieser hat keinerlei Möglichkeit die Kreditkartendaten zu prüfen. 

Was für ein Schock und auch viele Learnings! 

Zurück zu den Projekten wie diesem Online-Shop Telefone für Senioren: 

An diesen Projekten habe ich auch eine Menge an Online Marketing ausprobiert und letztendlich auch meine Diplom-Arbeit darüber geschrieben. 

In der ZANOX-Zeit lernt ich viele Geschäftsformen, Affiliates, Berater und Online Marketer kennen - unter anderem auch Ron Hillmann (extern) und Jörg Ullmann (Kollege) kennen. Beide sollten mich viele weitere Jahre begleiten bzw. begleiten mich nach wie vor. 

Beginn meiner (haupt-)beruflichen "Karriere"

Eben diese beiden - Jörg und Ron - waren stark beteiligt als ich mich 2006 zum Ende meines Studiums entscheiden musste.

Ich hatte die Wahl mich zu bewerben, bei ZANOX (heute AWIN) zu bleiben oder mit Jörg zur Online Marketing Agentur Iven & Hillmann GmbH & Co. KG zu gehen. 
Denn Ron hat mit (dem bei ImmobilienScout24 kennengelernten) Arend Iven eine Agentur gegründet. Jörg gehörte zum Startteam und ich wurde direkt gefragt, ob ich nicht mitkommen mag. 

Ron Hillmann und Arend Iven


Das Prozedere mich gar nicht so richtig bewerben zu müssen, sondern ein lockeres Gespräch mit den Chefs bei einem WM-Spiel 2006 zu besprechen und dann einen coolen Job zu bekommen, war mir bis dahin nie in den Sinn gekommen.

Aber so war es und so fing ich direkt nach Ende meines Studiums 1 Tag später dort an. 

Denn für mich war es wichtig neben dem Affiliate Marketing eben auch noch dieses "Google" (SEO und SEA) etc. kennenzulernen. Das iPhone sollte ja erst ein Jahr später rauskommen und den Markt des mobilen Marketings revolutionieren. 

Bei der Agentur in Berlin-Mitte (erst Rosenstraße, dann Monbijouplatz) fühlte ich mich ebenso rundum wohl (Ausnahmen bestätigen immer mal die Regel) wie zuvor bei ZANOX. Und auch zu ZANOX hielt ich sehr guten Kontakt. Doch durch den Kauf von Axel Springer änderte sich dort natürlich einiges. 

Spätestens nach 2010, als die drei Gründer aus dem Vorstand entlassen wurden, folgten auch sehr viele Mitarbeiter. Heute arbeiten nur noch 2 dort, die ich von früher kenne... 

Bei Iven & Hillmann betreute ich nach einem Jahr wirklich große Kunden und Budgets. ImmobilienScout24, ProSiebenSat.1, buch.de u.v.m. 
Ich wurde verantwortlicher Key Account Manager und Teamleiter und habe das manchmal gar nicht so realisieren wollen. 

In meiner oft zurückhaltenden Art musste ich mich auch durchsetzen lernen, die Charaktereigenschaften kamen aber bei den meisten auch so gut an. 

Es bleibt natürlich nicht aus, dass es mal soziale Herausforderungen gibt oder man mit Kollegen zusammenarbeiten muss, die einem erst später ihr "wahres Gesicht" zeigen. Aber heute kann ich darüber lachen und jeder geht seinen Weg. 

2007 wurde die Agentur an die LBIGermany AG verkauft, Arend und Ron blieben bis 2010 und 2011 und wir merkten bis dahin nicht viel. Aber im Nachgang leider sehr viel. 
Aus den 35 Leuten wurde durch die Übernahme ein 1.800 Leute-Unternehmen und das Performance Online Marketing war nur noch ein Teil von vielen. 
Leider merkte man dies in vielen Prozessen, Jörg als Büroleiter und ich als Teamleiter haben vieles versucht - uns dann aber Ende 2011 dazu entschieden gemeinsam zu kündigen. 

Einige sehr unschöne, aber auch unprofessionell geführte Gespräche standen uns dann bevor - letztendlich wurden wir freigestellt. 

In den Folgewochen haben wir viel mit Daniele, unserem künftigen Geschäftspartner gesprochen. Nach vielen Gesprächen, Überlegungen und dem Go meines Umfelds (samt meiner Eltern, die nie Berührung mit einer unbelasteten Selbständigkeit hatten) haben wir gemeinsam die Damcon GmbH gegründet. 

Mit der Überlegung "wir können nichts anderes und Online Marketing macht uns Spaß" haben wir diese Firma gegründet. Daniele war schon länger selbstängig, hatte die Damcon S.r.l. in Italien gegründet und konnten so mit einer bestehenden Website und Kunden starten.

Und uns wirklich wieder auf das Kernthema Online Marketing fokussieren.  

Der Weg in die Selbständigkeit - als Agentur

Erste Schritte gab es eigentlich schon völlig unvorbereitet, als meine frühere Professorin mir die Anfrage der "Business Trends Academy" 2009 weiterleitete, die auf der Suche nach Trainern im Online Marketing sind.

Ich hatte nie - und ich meine NIE - darüber nachgedacht mal Lehrer oder Trainer zu sein. Aber als die Anfrage kam, dachte ich mir ich schaue und höre mir das mal an. 

So habe ich gemeinsam mit meinem Dozentenkollegen Dietmar einen 4-wöchigen Online Marketing Kurs aufgezogen und gebe bis heute einen kompletten Tag im Rahmen dieser Weiterbildung. 

Durch diese Trainings habe ich eine Menge an Erfahrung dazugewonnen, was mich 2015 dazu führte auch Google direkt anzusprechen, ob ich nicht auch hier Trainings übernehmen kann. 

Das war ein längerer Weg, aber ich wurde auch dank Empfehlungen meiner Kolleginnen, in den Kreis der zertifizierten Google Trainer aufgenommen und gebe regelmäßig Partner Academies (für Agenturen) und Zukunftswerkstatt-Trainings (für Unternehmer, Studenten, Online Marketing-Mitarbeiter). 

Kunden-Workshops und -Schulungen gehören auch zum Repertoire und damit soll noch nicht Schluss sein - mein Ziel ist es in 2018 und 2019 komplette Konferenztage zu Google AdWords in Deutschland zu veranstalten.

Starten werde ich wohl in Berlin, andere Städte möchte ich auch ausprobieren. Komme mit Ideen sehr gern auf mich zu! ;)

Nun aber zur Selbständigkeit mit der Agentur Damcon GmbH:

Meine ehemaligen, hochgeschätzten Chefs, sind 2010 und 2011 aus der Agentur ausgeschieden. Danach machte es keinen Spaß mehr, aus einer 35-Mann-Firma wurde ein 1800-Leute-Konzern und Online Marketing war nur noch ein Teilbereich.

Mein Kollege Jörg (den ich seit zanox in 2003 kenne) und ich dachten uns, es macht uns in der Form keinen Spaß mehr und irgendwie können wir auch nichts anderes.

Da passte es gut, dass Daniele, der dritte Gründer im Bunde, schon länger Kontakt zu Jörg hielt und die Damcon s.r.l in Italien hatte. 
Er war auf der Suche nach Geschäftspartnern um eine Online Marketing Agentur in Deutschland zu gründen. 

Also haben wir uns in der Zeit, in der wir von LBi freigestellt wurden, viel ausgetauscht, die Agentur vorbereitet, die Agentur gegründet und die ersten Schritte gewagt. 

Als Kind einer "normalen" Angestellten-Familie war ich natürlich skeptisch der Selbständigkeit gegenüber. Umso glücklicher war ich, als mich sowohl meine Freundin (heutige Frau) als auch meine Eltern in dem Schritt bestärkten.

Schließlich hatten wir alle auch noch keine Kinder - ein Status, der sich bei uns allen inzwischen geändert hat.   

Inzwischen ist die Agentur unser Haupt-Standbein, aber ich versuche nach wie vor viel drumherum. Dieser Blog, Infoprodukte, eigene Produkte auf Amazon u.v.m. ermöglichten mir auch in der Vergangenheit immer wieder neue Dienstleistungsbereiche und kleinere Einkommensquellen. Manchmal aber auch einfach nur Kosten oder sagen wir lieber Investitionen ;)

In der Agentur haben wir natürlich auch einige Tiefs hinter uns. 3 der größten Kunden, die uns auf Grund von Firmenübernahmen innerhalb von 6 Monaten absprangen, wir damals eine unserer besten Mitarbeiterinnen kündigen mussten bis hin zu Notarfehlern, die uns Jahre später unerwartet bei Betriebsprüfungen einholten. 

Aber das gehört wohl dazu und macht einen stärker und entschlossener ;)

Persönliche Entwicklung und Schicksalsschläge, Name "Unbekannt"  

Ich bin zwar auch laut Aussagen meines teilweise schon >20 Jahre alten Freundeskreises inzwischen der "Christoph 2.0" geworden. Früher eher schüchtern, heute selbstsicher. Aber immer noch bodenständig und zielstrebig.

Das sind Aussagen meines Umfelds, nicht meine Worte ;)

Auch wenn es manchmal so aussieht, mein Lebensweg war alles andere als zielstrebig und erfolgreich. 

Wie du oben sehen kannst, bin ich durch äußerst schwierige finanzielle Zeiten gegangen. Es gab Wochen, da konnte ich mir in der Uni nicht einmal ein belegtes Brötchen kaufen. Und das trotz mehrerer Jobs nebenbei. Mir war es aber immer wichtig meine Eltern so gut es ging zu unterstützen und Geld ist bekanntlich nicht alles. 

Auch der Tod von einer meiner ehemaligen Lieblings-Kolleginnen bei ZANOX hat mich extrem getroffen und holt einen immer wieder auf den harten Boden der Tatsachen zurück.

Und auch mich selbst hat es im Jahr 2015 direkt erwischt:

Im Jahr 2014 bin ich Vater vom kleinen Lennard geworden. Abgesehen davon, dass er sich nicht im Mutterbauch drehen wollte, war er kerngesund. 

So haben wir gemeinsam diese Zeit der neuen, jungen Familie zu dritt verlebt und waren glücklich, dass er gesund ist. Abgesehen von einer Spreizhose, die er für 4 Wochen tragen musste. 

Doch dann ging es ihm im März 2015 Schlag auf Schlag schlechter. Er wurde an einigen Tagen sehr anhänglich, jammernd, appetitlos. Anfangs haben wir das auf eine der vielen Entwicklungsphasen der Babys geschoben - es war auch nicht jeden Tag so. 

Direkt in der Woche vor Ostern 2015 fing er an sich zu übergeben. Also ab zum Kinderarzt am Gründonnerstag. Er diagnostizierte einen Magen-Darm-Infekt. 

Halbwegs beruhigt verbrachten wir mit dem Kleinen sehr ruhig. Am Karfreitag ging es ihm noch schlechter, so dass wir schon am Karfreitag mit dem Gedanken spielten ins Krankenhaus zu fahren. Ich beruhigte meine Frau und versuchten ihm möglichst viel zu trinken zu geben.

Abends war das Würgen dann noch schlimmer und ich rief in der Krankenhaus-Notaufnahme an. Die Aussage wir sollen noch warten, denn das sei nicht unnormal, beruhigte uns nur kurz. Er hat sichtlich an Gewicht verloren, es ging ihm schlecht und um 4 Uhr nachts reichte es uns nach erneutem Übergeben.

Wir zogen uns schnell an, fuhren in die Notaufnahme. Die junge Ärztin war zunächst geschockt vom dehydrierten Zustand und versuchte mit 20 Versuchen die Adern zu treffen und eine Infusion zu legen. Das war ein Drama sage ich euch, was man sich da für Vorwürfe macht und mitleidet. 

Wir waren 3 Stunden in der Notaufnahme, sein Kreislauf stabilisierte sich - aber die Ärztin wunderte sich von Beginn an über den hohen Zuckerwert im Blut. 

Wir wurden stationär aufgenommen, der Kleine mit mehreren Zugängen (inkl. einem am Kopf) als Intensivpatient. 
Morgens um 9 Uhr kontaktierte ich meine Eltern, wir wollten sie vorher nicht beunruhigen. Klar kamen sie kurz danach ins Krankenhaus.

Es war noch nicht klar was Lennard hatte, aber sein Zustand war kritisch. Das sagten uns die Ärzte nicht direkt, aber meinen Eltern gegenüber wurden Worte wie "Lebensgefahr" und "noch nicht stabil" in den Mund genommen. 

Und das obwohl er doch nur einen Magen-Darm-Infekt haben sollte!?

Im Laufe des Nachmittags wurde klar, er hat ein Problem mit dem Blutzucker. Ihm wurde Insulin gespritzt und fortlaufend untersucht. 

Am Ostersonntag war klar: Er hat Diabetes Typ 1. Also nicht die selbstverschuldete (Alters-)Diabetes, sondern die genetisch bedingte Autoimmunkrankheit. 

Da wir zu diesem Zeitpunkt vermutlich so wenig über die Hintergründe von Diabetes wussten wie du jetzt, haben wir uns neben den Sorgen auch Vorwürfe gemacht. Falsche Ernährung? 

Im Nachhinein alle unbegründet. Aus irgendeinem Grund richtet sich sein eigenes Immunsystem gegen die Zellen in seiner Bauchspeicheldrüse, die Insulin produzieren. Ein unumkehrbarer Prozess. 

Das Waldkrankenhaus Berlin-Spandau ist nicht spezialisiert auf Diabetes, schon gar nicht bei einem 11 Monate alten Kind. Also wurden wir am Ostersonntag recht abenteuerlich in das DRK Berlin-Westend verlegt. 

Dort lagen wir 2 weitere Tage (bis Dienstag nach Ostern) auf der Neonatologie. Neben Babys mit Krebs und anderen schrecklichen Krankheiten.

Wir wurden großartig betreut, sowohl medizinisch als auch psychologisch. Du kannst dir nicht vorstellen, was alles in einem gedanklich vorgeht, wenn sein Baby so ernsthaft erkrankt. Es war der jüngste Diabetes Typ 1-Patient in der Geschichte dieses Krankenhauses. 

Täglich erkranken deutschlandweit im Durchschnitt 8 Kinder am Typ 1, inzwischen sogar ein 6 Monate altes Baby in der gleichen Klinik. 

Wir konnten damals noch nicht absehen (und können es auch heute noch nicht), was alles mit der Krankheit zusammenhängt. Er trägt eine Insulinpumpe, was schon ein extremer medizinischer Fortschritt ist und wurden 2 Wochen lang stationär behandelt und geschult. 

Wir sind alle 6 Wochen zur Kontrolle im Krankenhaus und haben eine 24/7-Hotline, die wir anrufen können. 

Logischerweise ist so ein kleines Kind komplett auf die Erwachsenen in seiner Umgebung abhängig. Jeder, der auf ihn aufpasst (Kita, Großeltern, Kindergeburtstage usw.) muss über die Diabetes, das Messen, die Berechnung und die Bedienung Bescheid wissen. Oder einer von uns Eltern muss immer dabei oder erreichbar sein. 

Das ist häufig eine Belastung, für uns inzwischen Alltag.

Und es gibt viele Tage, an denen alles gut läuft - und er entwickelt sich wie jedes andere Kind auch. Nur dass man immer auf den Blutzuckerwert achten muss. Was isst er, wie stark bewegt er sich, ist er krank, gibt es ein Problem mit der Pumpe oder dem Kanülenzugang, Wechsel der Kanüle alle 3 Tage usw. 

Das ist auch ein Grund, weshalb wir (noch sehr am Anfang) das Projekt und Produkte rund um sweetiez.de gestartet haben. Wir wollen anderen Eltern helfen und etwas mehr Farbe und Freude in diese Krankheit bringen.  

Generell treibt mich eine ständige Neugierde und Leidenschaft rund um das Thema Online Marketing, eCommerce usw. an. 
Ich probiere vieles aus, von AdWords über Wordpress, SEO, Shopsysteme, eBay, Facebook Ads, Verkäufer auf Amazon werden, Waren aus China bestellen (und zum Zoll am Flughafen zu müssen), DoubleClick u.v.m. - vieles, was ich mir selbst aus Neugierde angeeignet habe, wurde später zu einer professionellen Agenturdienstleistung ;) 

Ein zweites Kind wird aber wohl nicht folgen, wir würden wohl nicht beiden gleichzeitig gerecht werden. Und Lenni wird unsere volle Unterstützugn in den nächsten (vor allem den ersten Schul-) Jahren brauchen.  

2017 haben meine Frau Melanie und ich endlich unsere Hochzeit nachgeholt, in Potsdam auf der Insel Hermannswerder. Es war sehr schön und mit allen knapp 60 Gästen äußerst gelungen.

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Dabei hat sie auch ihren ungewöhnlichen Nachnamen abgelegt, der für viele lustige aber auch unglaubliche Geschichten sorgte. Denn sie hieß 

Melanie Unbekannt

Angefangen von stornierten Bestellungen, Nachfragen "heißen Sie wirklich so", "der Name darf nicht sterben - heiraten Sie mich" (Handwerker) bis hin zu Aussagen auf dem Bürgeramt "mit diesem Namen sind Sie durchgekommen?" und "sind Sie im Zeugenschutzprogramm" waren so viele Geschichten dabei, die ein eigenes Buch füllen könnten. 

Insofern versteht bitte, dass ich nicht über die Annahme des Frauennamens nachgedacht habe ;) 

Was genau mache ich jetzt eigentlich und wo soll es hingehen? 

Dem Zeitanteil nach sieht meine berufliche Aufteilung eigentlich wie folgt aus:

  1. Agentur Damcon GmbH: Strategische Beratung und operative Kampagnenbetreuung unserer Kunden, fortlaufend monatlich oder gern auch stundenweise (Google Ads Coaching)
  2. Trainer: Im Auftrag von Google, aber auch direkt von Firmenkunden und Anfragen verschiedene Trainings rund um Google Ads, Analytics, Shopping, Remarketing, Strategieentwicklung usw.  
  3. Das Projekt Christoph-Mohr.com: Bloggen, Videokurs, Seminare, Podcast usw. 
  4. Die Nebenprojekte: Der Seniorenhandyshop.de, eine Webseite meiner Frau, ein Amazon-/Kinderdiabetes-Projekt mit www.sweetiez.de usw.


Das war jetzt ziemlich viel Text, aber ich denke das gibt ein kompletteres Bild über mich. 

Ich bin froh, dass du zu meinem Projekt gefunden hast und freue mich über die vielen neuen beruflichen und privaten Kontakte, die ich hierüber kennenlerne. 

Liebe Grüße
Christoph 

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